Auf der “Via Engiadina” von Zernez nach Scuol   Leave a comment

Die “Via Engiadina” (rätoromanisch für Engadinerweg, auch bekannt als Engadiner Höhenweg) ist ein Weitwanderweg, der das Engadin auf ganzer Länge durchquert und dabei teils durch alpines Gelände verläuft, teils auf dem Talboden am Inn entlangführt. Die einzelnen Etappen (Normalrouten) können gut innerhalb eines Tages gemacht werden. Auf Etappe 3 empfiehlt es sich allerdings, die Zeit etwas im Auge zu behalten, falls man mit der letzten Bergbahn nach Scuol fahren will.

Die Via Engiadina ist ausserordentlich abwechslungsreich und kann beliebig unterbrochen oder abgeändert werden. Sie ist durchgehend markiert, entweder mit “Panorama Engiadina Bassa” oder “Via Engiadina”. Die gesamte Route der Via Engiadina führt von Vinadi nach Maloja. Vor ein paar Jahren haben meine Partnerin und ich die Teilstrecke von Zernez (Oberengadin) nach Sent (Unterengadin) unter die Füsse genommen.

Etappe 1: Zernez (1474 m) – Susch (1438 m) – Lavin (1418 m) – Guarda (1653 m) – 4,25 h

Von Zernez führt uns die Via Engiadina auf der Talsohle dem Inn entlang. Unter den Felsen des Muottas da Clüs führt der Weg in den Wald. Oberhalb des Weges, an welchem sich das Tal wieder öffnet, stehen die Säulen eines Galgens, der bis Mitte des 18. Jh. in Betrieb war. Der Weg führt uns nun weiter über die Ebene vor Susch bis zum Fuss der Fortezza (Festung) Rohan. Entlang der rechten Inn-Seite geht es dann weiter durch Susch, vorbei an der Kirche und dem Turm «La Tuor» hinaus auf die Felder und die Ebene Valplan Richtung Lavin. In Lavin überqueren wir die alte Holzbrücke und kommen so zum ersten Mal auf die linke Inn-Seite. Von hier steigt die Strasse steil ins Dorf hinauf und Richtung Kirche, wo sich der Weg scheidet: Für ambitionierte Wanderer führt der Weg weiter durch das Val Lavinuoz nach Guarda. Gemütliche Wanderer nehmen die alte Strasse hinauf nach Guarda.

  • Tipp Unterkunft in Guarda: Hotel Piz Buin. Kleines gediegenes, sauberes 3-Sterne-Hotel mit regionaler Küche und überraschend grosser Weinkarte. Das Hotel liegt am östlichen Dorfrand von Guarda.

Etappe 2: Guarda (1653 m) – Alp Suot (2018 m) – Marangun (2200 m) – Alp Sura (1982 m) – Alp Murtera Dadoura 2142 m) – Ardez (1467 m) – 4.15 h

Am östlichen Dorfende von Guarda zweigt der Wanderweg ins Val Tuoi nach links ab und führt uns quer durch die Wiesen hoch zum Taleingang. Unterwegs kommen wir am Wegweiser “Lajet” vorbei. Wenn wir diesem folgen, kommen wir mit einem kleinen Umweg zu einem verträumten idyllischen kleinen Waldsee, von dem wir dem Hang entlang wieder auf unseren Weg gelangen. Über eine Alpstrasse erreichen wir dann Alp Suot, die Alp, auf der Schellenursli die Glocke geholt hat.

Der Weg steigt nun fast 150 Höhenmeter an und folgt ziemlich der Höhenkurve bis Alp Sura, wo uns wieder ein herrlicher Ausblick auf das Tal erwartet. Durch Bergweiden und Wiesen führt uns der Weg zur Alp Murtera Dadoura, wo der Weg hoch zur Chamanna Cler abzweigt. Teilweise recht steil abwärts folgen wir dem Weg über Mundaditsch hinunter nach Ardez.

  • Tipp Unterkunft in Ardez: Hotel Alvetern. Das Hotel liegt zwar an der Strasse, aber Verkehr hört man kaum. Grund: Es gibt kaum Verkehr durch Ardez. Das Alvetern ist ein kleines, gemütliches 3-Sterne-Hotel mit familiärem Charme. Die Küche ist ausserordentlich gut und kreativ und kann locker mit jener grosser Hotels im Oberengadin mithalten. Die Zimmer sind sauber und geräumig. 

Etappe 3: Ardez (1467 m) – Plan Chamuera – Alp Tasna (1896 m) – Alp Valmala (1980 m) – Alp Laret (2202 m) – Prui (2058 m)- Motta Naluns (2146 m) – (Gondelbahn) – Scuol (1250 m) – 5,25 h

Am oberen Rand des Dorfes steigt die Via Engiadina fast senkrecht hoch. Nach einem Stück Weg zweigen wir links ab, um nach einer grossen Rechtskurve dem Ausstieg nach Plan Chamuera zu folgen. Immer leicht ansteigend erreichen wir bei Punkt 1896 die Alp Tasna und nach etwa 3 km die Alp Valmala auf Punkt 1980. Quer durch die Talflanke wandern wir zum Teil über schroffe aber ungefährliche Erosionsabbrüche hinauf zur Alp Laret auf 2202 m. Nach einigen weiteren Metern Aufstieg erreichen wir die Bergkrete von “Era da Jals” (2349 m). Durch Felsbrocken führt uns der Weg hinunter in die Wiesen von Clünas. Bei Punkt 2133 biegen wir links ab und steigen etwa 100 m auf der Alpstrasse hinauf. Achtung: Die Abzweigung nach Prui ist leicht zu übersehen! Ein schmaler Pfad zweigt bei einer Bank (ich hoffe, sie ist noch da) halbrechts ab und führt durch einen Arvenwald hinunter nach Nateas-Prui. Nun haben wir zwei Möglichkeiten: entweder mit dem Sessellift nach Ftan oder auf der Alpstrasse nach Motta Naluns.

Weg über Ftan

Die Fahrt mit dem Sessellift bietet einen herrlichen Ausblick auf die Unterengadiner Dolomiten mit dem malerischen Schloss Tarasp. Bei der Talstation in Ftan angekommen führt der Weg über den Pausenplatz des Schulhauses hinüber nach Klein-Ftan (Ftan Pitschen), das wir talauswärts durchqueren um auf dem Wanderweg nach Scuol zu gelangen. Kurz bevor wir die Gondelbahn unterqueren, zweigt ein Weg rechts ab und führt, links und rechts mit Büschen bestückt, fast in der Falllinie durch den Hang hinunter zur Talstation der Bergbahnen Motta Naluns bzw. zum Bahnhof Scuol. (Wenn die Füsse zu müde sein sollten, fährt übrigens auch ein Postauto von Ftan nach Scuol.

Weg über Motta Naluns

Von der Bergstation des Sessellifts Ftan-Nateas steigt die Bergstrasse rund 100 m über gut 2 km an zur Bergstation der Motta Naluns Bahn. Wer möchte, kann natürlich auch hier zu Fuss über die 850 Höhenmeter nach Scuol absteigen. Alternativ ist man mit der Gondelbahn in etwa 15 Minuten an der Talstation beim Bahnhof Scuol. (Achtung: die letzten Talfahrten von Prui und von Motta Naluns sind bereits um 16.30 Uhr!)

  • Tipp Unterkunft in Scuol: Hotel Conrad. Das Conrad hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, der Gemütlichkeit tut dies allerdings keinen Abbruch. Das Hotel besteht aus einem Restaurant mit Zimmern in den oberen Etagen sowie einem Gästehaus mit 2-Zimmer-Studios mit Balkonen. Das Essen ist rustikal aber sehr gut. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen. 

Etappe 4: Scuol (1250 m) – Sent (1440 m) – 2,5 h

Mit der Gondelbahn fahren wir von Scuol wieder auf die Motta Naluns. Wir nehmen den Weg Richtung Sent unter die Füsse und zweigen dann nach Jonvrai ab. In Jonvrai folgen wir dem Wegweiser Via Engiadina. Achtung: der Weg zweigt ab, bevor wir auf dem breiten Weg an den Bach kommen, etwa 150 m vor der Rechtskurve. Nun steigen wir dem Hang entlang durch üppige Vegetation Richtung Vastur – Sent ab. Wer einen kleinen Hunger verspürt, sollte unbedingt in Vastur einkehren. Dort gibt es die köstlichen “Fuatscha grassa“, ein typisches Engadiner Gebäck.

Sportliche Variante nach Sent

Von der Bergstation Motta Naluns steigen wir auf bis zur Wegkreuzung unter der Chamanna Naluns. Statt der Via Engiadina zu folgen, gehen wir nun aber geradeaus weiter Richtung Fuorcla Champatsch (2730 m). Weiter geht es zur Alp Pra San Fluren, wo wir wieder einmal zwei Möglichkeiten haben: entweder wir nehmen den direkten Weg nach Sinestra (am rechten Ufer des Baches) über Alp Era – Alp Patschai oder wir folgen der Alpstrasse auf der linken Bachseite zum “Prümeran da la Muranza” hinunter nach Zuort (1711 m). Dem Bergbach Brancla entlang führt uns der Weg weiter durch eine wildromantische Schlucht nach Sinestra. Von dort aus sind es noch etwa 6,5 km nach Sent.

Sent war unser letztes Ziel. Wegen des angekündigten schlechten Wetters verzichteten wir auf die letzte Etappe nach Tschiln. Nach einer grossen Portion Capuns bestiegen wir darum in Sent das Postauto Richtung Scuol und fuhren von dort aus mit der RhB zurück nach St.Gallen.

  • Karten: Swisstopo: 1:50’000, 268T Julierpass, 258T Bergün, 259T Ofenpass und 249T Tarasp oder Wanderkarte Unterengadin 1:50’000 Blatt 5017, Wanderkarte Oberengadin 1:50’000 Blatt 5013
  • Marschverpflegung: In jedem Etappenziel gibt es Läden und/oder Bäckereien, in denen man sich mit allem nötigen eindecken. Zudem stellen die Hotels auch üppige Lunchbeutel zusammen.
  • Hinweis zur Ausrüstung und zum Gepäck: Die Strecke zwischen Zernez und Sent ist mehrheitlich eine T2 und führt nicht durch schwieriges Gelände. Daher empfehle ich gute, aber nicht zu steife Wanderschuhe mit guter Profilsohle. Da es im Engadin auch im Hochsommer empfindlich kalt werden kann, gehören auch eine Jacke, ein langärmliges Hemd und/oder ein Pullover, Handschuhe, Mütze und Regenschutz mit ins Gepäck. Der Rest des Gepäcks sollte möglichst leicht sein. 
.

 

In meinem Bergwelt-Blog findet man sowohl Wegbeschreibungen und dazugehörige Links als auch Informationen zu Restaurants, Hotels, Hütten sowie zu Tourismus- und Kletterregionen. Solche Angaben können sich natürlich immer mal wieder ändern oder veralten. Damit Nachwanderer und -kletterer immer auf dem aktuellsten Wissensstand sind, bitte ich um eure aktive Mithilfe. Aktualisierungen, Erfahrungen und/oder eigene Wandertipps könnt ihr auf bergwelt.wordpress@bluewin.ch hinterlassen.

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 28 Followern an